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"Wir brauchen derzeit keine Fiktion, weil wir in fiktiven Zeiten leben. Wir führen einen Krieg aus fiktiven Gründen. Wir haben einen fiktiven Präsidenten, der nicht gewählt wurde."
(Michael Moore bei der Oscar-Verleihung 2003)
Kegeln für Erfurt
Wie sähe ein deutsches "Bowling for Columbine" aus?
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Auch wenn der deutschen Buchausgabe von "Stupid White Men" im Gegensatz zur britischen das Vorwort fehlt, in dem Michael Moore dazu aufruft, vor der eigenen Tür zu kehren und die eigene Nation auf ihre Rüstungsindustrie, ihre politischen Seilschaften und ihre Massenpsychosen zu untersuchen, frage ich mich, wie das hier anzugehen wäre.
Vorüberlegung: Die naheliegende Assoziation zum Gefüge Auto-Straße-Verkehr in Deutschland trifft den Punkt nicht, weil der Autowahn weder spezifisch deutsch ist, noch überhaupt schlimmer wird. Die Zahl der Verkehrstoten ist weltweit in den Siebzigern am höchsten gewesen und seitdem um ca. 30-50% zurückgegangen. In Europa stellt Deutschland eines der sichereren Länder dar. In Polen und den USA ist das Todesrisiko durch Verkehrsunfälle um 50% höher als in Deutschland (in Korea gar um 200%).
Die Masse der schweren Unfälle haben sehr wenig mit Autofetischismus zu tun, sondern mit dem künstlich aufgeblähten Straßenfrachtverkehr.
Die Deutschen haben an der Erfindung und Entwicklung des Automobils maßgeblichen Anteil, gestorben wird trotzdem anderswo mehr.
Arbeitshypothesen.
Lehre aus dem Ersten Weltkrieg: Wir töten und schlachten gern, aber nicht gut genug, um es mit den andern aufzunehmen.
Folge: Schießen Sie auf den Linken (vom Planeten der Affen)!
Schön: Verwendung von sonst kaum gesehenem Novemberrevolutions-Footage.
Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg: Töten ist echt unser Ding, da macht uns keiner was vor, aber unsere Performance reicht nicht mal lange genug, um die Linken dieser Welt (und ihre "rassischen Grundlagen") auszurotten.
Folge: Fürs Kriegführen gibt's auf die Mütze, laßt uns die Waffen Leuten verkaufen, die wissen, wie man damit umgeht und in der Wahl der Gegner mehr Geschick beweisen. Oder bewaffnen wir eben die Gegner auch gleich mit.
Schön: Verwendung von ungern in Guido-Knopp-Schnulzen verbauten Kriegsfilmen der Alliierten, in denen die Deutschen auf den Helm kriegen.
Lehre aus der Wiedervereinigung: Das mit dem Krieg haben die andern ganz bestimmt schon wieder vergessen, aber selber Krieg führen ist dreckig
ere Arbeit, als Waffen zu basteln und sie Möllemann verkaufen zu lassen.
Folge: Es bleibt wie es ist, aber zum Terrorisieren von Minderheiten genügen ja handelsübliche Keulen und Flaschen.
Schön: Waffenhändler (wie auch Autohändler) sind technisch gesehen Pazifisten und können sich auch so aufführen.
Filmszene: Interview mit einem Sprecher des Auswärtigen Amtes.
Frage: Sie sind gegen eine deutsche Beteiligung am Irak-Krieg?
Antwort: Ja.
Frage: Wäre die Bundeswehr in der Lage, den Krieg entscheidend mitzuführen?
Antwort: Wir könnten... naja, nein.
Frage: Deutschland hat den Irak bewaffnet?
Antwort: Naja, ja.
Frage: Die USA startet ihre Operationen von Deutschland aus?
Antwort: Unsere Verpflichtungen... also, ja.
Frage: Wenn die US-Soldaten nicht da sind, bewacht Deutschland die Militäreinrichtungen?
Antwort: Ja, auch in der Kälte...
Frage: Deutschland ist weiterhin im selben Militärbündnis wie die USA?
Antwort: Ja.
Frage: Deutschland hat den USA für den Fall eines Angriffs auf den Irak mit keinerlei Sanktionen gedroht?
Antwort: Natürlich nicht.
Frage: Gibt es Bestrebungen, die großen deutschen Konzerne mit Exportbeschränkungen zu belegen?
Antwort: Sie wissen selbst, wie die Konjunktur...
"Kegeln für Erfurt" paßt eigentlich nicht.
Das Waffengesetz wurde gerade an dem Tag des Massakers geändert und kein Chef eines nationalen Schützenvereins hielt hinterher in Erfurt eine Großveranstaltung ab, auf der er das Geballer pries. Steinhäuser war allein, hatte keine automatischen Waffen, keine Granaten und tötete weniger Menschen. Er war allein und dafür ziemlich effektiv. Deutsche Gründlichkeit, herrje.
:
Daniel Kulla
(Unter Verwendung zweier Samples aus dem intro.de-Forum)
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